Lanz Kundendienst Werkstattwagen
Zugegeben ein nicht alltägliches Restaurationsobjekt.....
Der Wagen verbrachte die Jahre von 1990 bis August
2007 ungeschütz im Freien. Neben dem 40 Meter hohen Kamin einer ehemaligen
Ölmühle rostete er friedlich vor sich hin. Und von dort habe
ich das gute Stück mit meinem Arbeitbulldog - D2816 abgeholt. Wie
sich das nach so langer Standzeit gehört waren natürlich auch
beide Reifen platt. Mit wenig Hoffnung habe ich den Kompressor auf die
Zapfwelle meines 28ers gesteckt. Nach kurzer Zeit hatten die Reifen einen
Druck von 2,3 bar. Glück gehabt die Luft bleibt vorerst drin. Jetzt
aber schnell auf den Bulldog steigen und den Wagen in meine 3 km entfernte
Halle ziehen bevor einer der Reifen seine Luft verliert.
In meinem trauten Heim angekommen folgte eine erste
Schadensaufnahme.
Das feuchte Holz der ehemaligen Reling lag direkt
auf dem Dach drauf. Mindestens 50 Löcher habe ich in dem stark angegriffenen
Blech darunter gezählt. Meine Vermutung: jede Menge Feuchtigkeit und
Nässe im Innenraum. Durch den großzügigen Einsatz von WD40
Rostlöser gelang es mir endlich eine der Türen zu öffnen
und in den Innenraum zu spähen. Sämtliche Gummidichtungen waren
gerissen, spröde, fehlten ganz oder waren sonstwie defekt. Aus der
ersten Vorahnung wurde schließlich die Wahrheit - Wind und Wetter,
Wärme und Kälte hatten tiefe Spuren im innern des Wagens hinterlassen.
Was meiner Freude über mein neues Spielzeug aber keinen Abbruch getan
hat - schließlich sollte die Einrichtung sowieso komplett entfernt
werden und von Grund auf neu aufgebaut werden.
Der Holzboden war so gammelig und nass, dass ich ihn
ohne Mühe mit den Stiefeln herraustreten konnte. Mittels Flex, Vorschlaghammer
und Brecheisen wurde die komplette Einrichtung entfernt. Nach 3 Tagen a
10 Stunden Arbeit war nur noch das Blechkleid und das eiserne Skelett des
Wagens übrig. Obwohl die meisten Teile in bemitleidenswerten Zustand
waren, so habe ich doch alles sicherheithalber mal aufgehoben. Zierleisten,
Lichter, Blinker und Rückstrahler sogar sämtliche Schrauben welche
sich gelöst haben und somit nicht der Flex oder dem Meisel zum Opfer
fielen, habe ich feinsäuberlich sicher gestellt.
In den folgenden Wochen war der Schweissapparat das
meist verwendete Werkzeug wenn es um das Blechchassis ging. Unzählige
kleine und noch jede Menge größe Löcher mussten zugeschweisst
werden. Oftmals half nur noch das Einschweissen von neuen Blechen. Der
Rahmen und die Seitenwände wurden mit vierkantigen Eisenrohr verstärkt,
damit der Wagen steifer wird und später eine bessere Möglichkeit
besteht die Holzverkleidung anzubringen. Als sehr zeitraubend stellte sich
Entlacken der Karrosse heraus. Von der Flex und Bohrmaschine mit unterschiedlichen
Aufsätzen über chemischen Abbeitzer bis zu Schmirgelpapier und
Schwingschleifer habe ich alles mit unterschiedlichem Erfolg getestet.
Wie schon erwähnt stellte mich das Dachblech
vor einige Probleme und beschäftigte mich schon seit dem Tag an den
ich den Wagen abgeholt habe. Es war durch Korrosion extrem dünn geworden
und glich aufgrund der vielen Löcher eher einem Schweizer Käse.
Schließlich kam mir die rettende Idee. Auf der Abschlagbank habe
ich mir ein genau passendes Blech schneiden lassen. Anschließend
wurde es mir 5 Kartuschen Silikon auf das alte Dach geklebt.
Nun kam die Lackierpistole zum Einsatz. 10 kg
Füll-Grundierung wurden an einem Samstagmorgen vor meiner Werkstatt
auf das überholte Blech des Wagen und sämtlichen Einzelteilen
wie Türen aufgetragen.
Wer kann schon behaupten erhabe einen Flügeltürer
bei sich in der Garage stehen. Ist zwar keiner der legendären Mercedes,
aber immerhin originell und auch exklusiv. Schön wenn man als Oldtimer-Kameraden
einen sehr guten Lackierer hat. In der Zwischenzeit als mein Anhänger
von diesem mit einer Top-Lackierung versehen wurde, nahm ich mich der optischen
Aufarbeitung von losen Teile wie Zierleisten, Chromabdeckungen der Rückleuchten,
Rückstrahler usw... an.
Als der Anhänger wieder in der heimischen Garage
stand, begann der Innenausbau. Zu allererst wurden die Kabel für die
Elektrik verlegt. Der Unterboden gegen die Staße hin, wird von dicken
OSB Platten gebildet. Als Boden dienen gehobelte Fichtenbretter. Dazwischen,
sowie an den Wänden, Türen und Dach wurde alles komplett mit
schwarzen Isoliermaterial ausgekleidet. Gleichermaßen Schutz gegen
Kälte in manchen Nächten und vor allem wider die Hitze welche
sich unter dem Blech im Sommer anstaut.
Etwas erschrocken habe ich mich über die Menge
an Türdichtungen ,welche für das Vehikel benötigt wurden
(und den Preis für selbige). Die Innenseite der Wände, Türen
und des Dachs habe ich mit Limbaholz (aus dem afrikanischen Tropenwald)
ausgekleidet. Nach der Behandlung mit Klarlack bekommt das Holz eine richtig
edle Rotfärbung. Zugegeben: Tropenholz hört sich schon etwas
erhaben an. Ich habe es aber lediglich ausgewählt weil es viel günstiger
war als heimische Holzarten wie Buche, Fichte usw...
Jeweils vor der Innenseite der Radkästen
habe ich den Wagen mit Fichtenbohlen abgeteilt und demzufolge Stauraum
geschaffen für das Nötigste wie einen Bierkasten, Nahrung, Kleidung
oder Ersatzteile (ein Lanz benötigt eigentlich keine Ersatzteile weil
er sehr robust gebaut ist, aber es fahren ja auch hin und wieder Kollegen
mit Hanomag in der Gruppe mit - kleiner Scherz). Die verbleibende Liegefläche
in der Mitte beträgt noch 1,15 Meter. Alleine super bequem, aber man
kann auch mal eine Nacht zu Zweit verbringen.
Bei der Restauration habe ich alle Teile wie Aluleisten,
Lichter, Rückstrahler, Türgriff der Flügeltüren oder
Sperrverschlüsse derVorder und Hintertüren usw...welche von aussen
sichtbar sind im Original erhalten. Dies war nicht seltesten einfach und
immer mit erheblichen Zeit und Arbeitsaufwand verbunden.
Wohnraum auf 1,95 Meter mal 1,80 Meter: In der Mitte
die Liegefläche und Links und Rechts - vor und hinter den Radkästen
Stauraum.
Nun begann der schönste Teil einer jeden Restauration:
der Zusammenbau der einzelnen Komponenten zu einem Gesamtwerk.
Dem Original 100% nachgefertigt, bildete es den sozusagen
den Abschluß meiner Arbeiten an diesem Gefährt: Das Werkstattschild
des Lanz Kundendienstes aus den Jahren 1930 - 1940.
Mit dem Gewicht von nur ca. 750kg hat in diesem Fall
der schwere Halbdiesel auch am Berg keine Probleme.
Den Lanz - Kundendienst - Werkstattwagen hatte ich
im Juni 2008 fertiggestellt. Seit dem bin ich ca. 3 mal im Jahr mit ihm
unterwegs. 2 mal nutze ich ihn auf regionalen Treffen als Übernachtungsmöglichkeit,
und einmal im Jahr mache ich eine 3 Tagesfahrt zu einer etwas weiter entfernten
Veranstaltung, bei der er neben Nachtlager auch als Getränke, Proviant,
Kleiderschrank und vieles mehr dient...